Archiv für die Kategorie ‘Vortragsreihe’

Ingo Friedrichs Traum von Europa

Mai 27, 2008

 

Als Kind wollte Dr. Ingo Friedrich, nach seinem Berufswunsch befragt, einst Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Als man ihm darauf sagte, dass das nicht ginge, da er nicht in den USA geboren worden sei, disponierte er kurzerhand um und wollte Präsident der Vereinigten Staaten von Europa werden. Das muss, wie man sich ausrechnen kann in den frühen 50er Jahren gewesen sein. Zwar gibt es bis heute weder die Vereinigten Staaten von Europa, noch das Amt eines Präsidenten, doch wichtige Schritte zu Verwirklichung des Kindheitstraumes sind realisiert worden und das ist auch teilweise ein Verdienst von Dr. Friedrich. So gehört er dem 1979 gegründeten Europaparlament von Beginn an und war lange Jahre auch dessen Vizepräsident. Noch bedeutender dürfte jedoch sein Beitrag in Bezug auf die identitätsstiftende gemeinsame EU-Flagge sein – die bekannten zwölf Sterne auf blauem Grund – die auf seine Initiative zurückgeht.

 

Das aus Träumen Schritt für Schritt auch Wirklichkeit werden kann, ist seine zentrale Botschaft, die er vor allem an die jungen Generationen weitergeben will. Gelegenheit dazu bot ihm der von der Jungen Union Augsburg Stadtmitte organisierte Themenabend im „Weißen Hasen“ im Herzen der Stadt, zu dessen näherer Besichtigung in im einleitenden Grußwort der Augsburger Bürgermeister Hermann Weber einlud. Thematisiert wurden die Chancen im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Europäischer Integration und jeder der trotz warmen Wetters zum Vortrag Dr. Friedrichs kam, erlebte einen munteren und glühenden Verfechter eines „European Way of Life“, der dafür warb, Europa als Macht mit Vertrauensvorschuss in aller Welt wahrzunehmen.

 

Die Europäische Integration sei für sich genommen im kleineren Rahmen ein Modell für die Globalisierung, so Friedrich und habe weltweite Attraktivität erlangt. Anders als von vielen befürchtet stärke Europa auch die Regionen und schwäche sie nicht. Beispiele dafür seien Wales, Südtirol oder das spanische Galizien, wohingegen Belgien fast daran zu zerbrechen drohe, dass das regionale Gewicht durch die EU stärker zum Tragen käme. Niemand, so Friedrich brauche sich deshalb große Sorgen darüber zu machen, dass die eigene Identität verloren gehen könnte, denn die regionalen und auch nationalen Eigenheiten blieben ebenso bestehen, wie die zwischen Europa und den USA bestehen blieben, trotzdem sich beide Seiten in den letzten Jahrzehnten sehr stark annäherten.

 

Zur Globalisierung gebe es nun aber keine Alternative, da sie nicht verschwindet, wenn man sie nicht mag – oder nicht versteht. Voraussetzung dafür sei natürlich auch, dass es weltweit verlässliche Regeln gibt. Diese stünden gerade in Bezug auf China auf dem Spiel, wo seit Konfuzius schon die vollkommene Nachbildung eines Werkes als besondere Kunstfertigkeit und keineswegs als verpönte Nachahmung gelte. Wie sollte man also den Chinesen dieses abgewöhnen? Dr. Friedrich ist freilich auch hier zuversichtlich und sieht die Chinesen heute dort, wo die inzwischen durch Amerikaner und Europäer „domestizierten“ Japaner vor mehr als dreißig Jahren waren.

 

Die Vergangenheit kommt nicht wieder und nur wer sich auf die Zukunft vorbereitet hat die besten Chancen. Die der Europäer bestünde in der Globalisierung weiterhin in der Bildung, um einen technologischen Vorsprung zu erzielen, zu halten oder auszubauen.

 

Dazu bietet die EU jungen Menschen Programme wie

 

„Sokrates“/ „Erasmus“ http://eu.daad.de/eu/sokrates/05353.html

oder „Leonardo“ http://eu.daad.de/eu/leonardo/05207.html 

 

Wichtig sei aber vor allem auch die Bereitschaft Sprachen zu erlernen, wobei der Mut zum Sprechen zunächst wichtiger sei, als eine perfekte Grammatik, für die sich letztlich auch der heimische Taxifahrer nicht interessiert.

 

 

Dr. Ingo Friedrich ist ein Europäer mit Leib und Seele und versteht es, die Faszination des europäischen Traums seinen Zuhörern in ihrer Sprache zu vermitteln. Man könnte dazu Theodor Herzl zitieren: „Wenn ihr wollt bleibt es kein Traum.“

Einladung zum europapolitischen Abend mit Dr. Ingo Friedrich

Mai 6, 2008

Die JU Augsburg Stadtmitte freut sich zu einem europapolitischen Abend mit Herrn Dr. Ingo Friedrich einzuladen und dankt ausdrücklich dem unermüdlichen Einsatz unsere Vorstandsmitglieds Agata Szyszko, umd dieses Ereignis möglich zu machen.

 

Dr. INgo Friedrich

 

Dr. Ingo Friedrich, MdEP

„Zwischen Globalisierung und Europäischer Integration: Welche Chancen hat unsere junge Generation?“

 

Donnerstag, 08. Mai 2008, 19.00 Uhr

Gaststätte „Weißer Hase“

in der Augsburger Fußgängerzone

 Annastraße 4 / Unter dem Bogen/

Dr. Ingo Friedrich war von 1999 bis 2007 Vize-Präsident des Europa-Parlaments, dem er selbst bereits seit 1979 als Abgeordneter angehört und ist nunmehr wie bereits zuvor Quästor des Präsidiums und darüber hinaus stellvortretender Parteivorsitzender des CSU in Bayern.

Dialog nur auf Augenhöhe

Juli 1, 2006

Rainer Schwarzer, Lehrbeauftragter der Universität Augsburg und Referatsleiter der Hanns-Seidel-Stiftung, unterstreicht die Wichtigkeit gegenseitiger Kenntnis und gegenseitigen Respekts in der Auseinandersetzung mit dem Islam.

Kopftuchstreit, Ehrenmorde, Geißelnahmen, EU-Beitritt der Türkei, und nicht zuletzt auch Terroranschläge wie die des 11. September, auf Bali, Djerba, in Madrid, Jerusalem oder London, der Streit um Karikaturen und Meinungsfreiheit, … aktuelle Bezüge finden sich in jeder Tageszeitung und führen oft zu einem ablehnenden Meinungsbild gegenüber dem Islam.

Kein Wunder, dass die Veranstaltung im „Weißen Hasen“ am 1. Februar sehr gut besucht war. Eingeladen dazu hatte die JU Augsburg-Stadtmitte und fand in Rainer Schwarzer als Referenten der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung einen geeigneten Redner, um das konfliktträchtige Thema „Europa und der Islam – Dialog oder Kampf der Kulturen“ sachlich und fundiert zu ergründen. Schwarzer, der Diplom-Politologe ist und schon durch sein Studium in Spanien – dessen Kultur und Geschichte ohne Verständnis des Islam laut ihm gar nicht erfassbar seien – mit dem Islam in Berührung kam, vertritt klare Prinzipien. So ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die mancherorts vorgenommene allzu simple Rechnung Türke = Muslim = Terrorist als absurd und unbegründet zurückzuweisen. Tatsächlich seien die in Deutschland lebenden Muslime zu drei Vierteln nur bloße „Ausweis-Muslime“, ohne ausgeprägte religiöse Bindungen und damit bloßen ,,Taufschein-Christen’’ nicht unähnlich. Der Extremismus im Islam, den es wie im Christentum auch gibt, könne jedoch trotzdem nicht verschwiegen werden. Dabei sei aber zu berücksichtigen, dass die islamische Welt eine Modernisierung, wie es sie etwa im Westen schon seit Jahrzehnten gibt, von sporadischen Ansätzen abgesehen, noch vor sich habe. Beispielhaft sei dafür etwa die „Europäische Menschenrechtskonvention“ von 1950 als einer der wichtigsten Schutzmechanismen vor religiösem Extremismus, gleich welcher Prägung. Darin ist verankert, dass man sich als Mensch in Frage stellt und nicht alles als „gottgegeben“ hinnimmt. Entscheidend sei letztlich, wie sich der Einzelne und die Gesellschaft gegenüber religiösen Überlieferungen verhalte und verhalten dürfe, ob einzelne Vorschriften und Bestimmungen wörtlich aufzufassen seien, oder aber eben auch, ob Spielraum für mehrere Deutungen zugelassen werde.
In manchen Auslegungen des Korans sieht Schwarzer deshalb auch die Gefahr der Legitimation der Gewalt: „Die theologische Grundlage ist mehrdeutig, wodurch Missbrauch möglich ist.“ Den Terroristen sei gemeinsam, dass sie der Bedrohung ihres Glaubensbildes mit Gewalt begegnen und sich selbst als Vollstrecker eines göttlichen Willens sehen. Mit der Konfession beschäftigten sie sich nur eingeschränkt, „es gelten nur ausgewählte Stellen“. Der Terror muslimischer Fundamentalisten habe drei Ziele: „Die Rückgewinnung der ursprünglichen Religionseinheit, die Errichtung eines rein islamischen Staates und die Aufhebung der Trennung von Staat und Religion“. Durch seinen Universalitätsanspruch sehe sich der Islam als Vorbild der gesamten menschlichen Gesellschaft, der „Jihad“, der heilige Krieg, sei die Konsequenz. Man müsse sich zwar verdeutlichen, dass es sich bei dieser radikalen Auslegung um eine Mindermeinung handle und es viele andere, friedliche Interpretationen und damit Richtungen des Islam gebe. Damit allein könne man sich aber nicht zufrieden geben, sondern man müsse auch von der anderen Seite, nämlich der Islamischen, ein Entgegenkommen fordern.
Europa und den Westen bezeichnete Schwarzer hingegen als eine „Erinnerungs- und Wertegemeinschaft“, verwurzelt in den Epochen der Aufklärung und des Humanismus, sowie in der jüdisch-christlichen Theologie. Die kulturellen Brüche – etwa zwischen Tradition und Moderne – können seiner Ansicht nach nur durch einen möglichst breiten Dialog überbrückt werden. Wer nämlich innerhalb Europas keine Toleranz übt, wird sich kaum für Minderheitenrechte und Toleranz gegenüber anderen Religionen einsetzen können oder wollen. Religiöse Meinungsvielfalt enthielte jedoch immer ein latentes Konfliktpotenzial, dessen Umfang und Form vor allem vom Verhältnis der Religionen und Strömungen untereinander abhängig ist. Die Globalisierung verstärke dieses Potenzial in vielfacher Weise. Da das Recht auf Religionsfreiheit aber nicht vom Himmel gefallen sei, müsse es stetig gegen alte Vorurteile und neue Bedrohungen gewappnet sein und im Dialog verteidigt werden. Daraus, so Schwarzer, ergeben sich drei Forderungen an den Islam für einen solchen Dialog: Säkularisierung, Individualisierung und Modernisierung. Der Westen müsse dagegen seine bisherige Politik gegenüber islamischen Staaten überdenken, Modernisierer unterstützen und für mehr globale Gerechtigkeit sorgen.

Die kontroverse Diskussion zum Thema, an der sich auch lokale Politprominenz engagiert beteiligte, zeigte bei aller Vehemenz und Gegenteiligkeit in den Standpunkten dann doch wieder auf, dass ein Dialog nur auf Augenhöhe stattfinden kann und dass der Bedarf an weiteren Gesprächsabenden gerade auch im Hinblick auf aktuelle politische Entwicklungen immens ist. Diesem Bedarf will die JU Stadtmitte gerne durch weitere Veranstaltungen entsprechen.

Yehuda Schenef

„Türkei in die EU?“

Juni 27, 2006

Einen informativen, spannenden Abend konnten die Gäste erleben, die der Jungen Union Stadtmitte auf die Einladung in die Gaststätte „Drei Königinnen“ gefolgt waren. Unter dem Motto „Türkei in die EU?“ bekamen sie einen interessanten Vortrag von Referent Rainer Schwarzer (Referatsleiter für EU- Angelegenheiten an der Hanns- Seidel-Stiftung) geliefert.

Religion und geographische Lage kein Hindernis

Der Referent stellte sich auch der sachlichen Diskussion mit dem Publikum. Hierbei ließ er jedoch religiöse und geographische Argumente nicht gelten. Wären diese beiden Punkte ein Grund für die Ablehnung des Antrags der Türkei zur Aufnahme in die EU, so hätte man auch die Tschechische Republik aufgrund des dort herrschenden Atheismus (folglich kein wirklich christlicher Staat) und Zypern wegen seiner geographischen Lage nicht auf das große Boot der EU aufsteigen lassen dürfen.

Wirtschaft der Türkei

Problematisch sei jedoch das wirtschaftliche Defizit der Türkei, deren Lebensstandard im EU-Vergleich sogar unter dem von Rumänien und Bulgarien liegt. Die wirtschaftliche Förderung und Angleichung der Türkei an den europäischen Standard würde das momentan zur Verfügung stehende EU-Budget sprengen.

Problem des türkischen Nationalismus´

Eine Gefährdung des Konstrukts der politischen Union könnte sich auch aufgrund des in der türkischen Bevölkerung herrschenden Nationalismus´ ergeben. Dieser würde einen Konsens und das gemeinsame, einheitliche Wirken und Auftreten in der EU auf politischer Ebene nur schwer oder gar nicht möglich machen. Interessant sei in diesem Zusammenhang auch, dass das türkische Gesetz in einem unveränderlichen Paragraphen die Abgabe der eigenen Souveränität an eine übergeordnete Instanz verbietet und somit eine Mitgliedschaft in der EU eigentlich unterbindet.

Als Fazit dieses Abends war zu erkennen, dass eine Aufnahme der Türkei unter anderen Bedingungen längerfristig vorstellbar wäre. Momentan sind jedoch die Voraussetzungen hierfür noch nicht gegeben.
Ferner muss sich das erweiterte Europa mit den zehn neuen Kandidaten erst längerfristig wirtschaftlich und politisch stabilisieren und festigen. Eine Voraussetzung hierzu ist als nächster Schritt die längst überfällige Ratifizierung einer gemeinsamen EU-Verfassung.

Simona Löschnigg