Archiv für November 2007

Supermans Rückkehr

November 11, 2007

Mit runden Geburtstagen oder prominenten Jubiläen ist es so eine Sache. Wer sie selbst feiert, kann persönliche Geschenke und Ehrungen ausschlagen und stattdessen um Spenden für einen wohltätigen Zweck bitten, um sich dem Trubel ein wenig zu entziehen. Das kommt immer gut an und schafft eine oftmals nötige Distanz. Anders sieht es aus, wenn der Jubilar nicht mehr am Leben ist und sich der Ehrung und Diskussionen um ihn nicht mehr erwehren kann. Ein solcher Fall wäre Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 15. November dieses Jahres runde 100 Jahre alt würde. Stauffenberg, der berühmt gewordene Hitler-Attentäter ist freilich noch nicht mal 37 Jahre alt geworden. Die Geschichte um „sein“ Attentat, im Deutschland der Nachkriegszeit als eine Art halboffizieller Feiertag mit alljährlichen Festakten gefeiert, ist von einem zarten Pflänzchen zum monumentalen Baum gewachsen, stets um weitere Jahresringe erweitert, imposanter, größer und gewichtiger geworden. Sie wuchs zur willkommenen Metapher des „Deutschen Widerstands gegen Hitler“, den es als nationales Phänomen freilich nicht gab. Je volkstümlicher das Stauffenberg-Thema durch Veranstaltungen, Theaterstücke, Filme und Bücher wird, umso mehr wird vereinfacht, pauschalisiert und ausgespart. Stauffenberg wird überlebensgroß, doch seine Motive werden immer nebulöser. Er wird zum Helden ohne Hintergrund, der ähnlich wie „Superman“ vor einer dramatischen Kulisse aus dem Nichts auftaucht, um die Welt zu retten. Die Rettung misslang. Hitler überlebte das Attentat für folgenschwere weitere Monate, Stauffenberg jedoch wurde mit anderen als Verschwörer tags darauf hingerichtet.  

  

Anders als der einfache schwäbische Arbeiter und Hitler-Gegner Georg Elser, der „den Führer“ bereits 1939 im Münchner „Bürgerbräukeller“ töten wollte,  war Graf von Stauffenberg allerdings auch ein früher Anhänger Hitlers, überzeugter Militär und stieg als Oberst in den Generalstab des Regimes auf. Noch im ersten Kriegsjahr schrieb er seiner Frau aus dem besetzten Polen: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohl fühlt.“ Elser saß da schon als „besonderer Schutzhäftling” im KZ Dachau, das er nicht mehr lebend verlassen sollte. Es waren auch weder Parteienverbote noch Nürnberger Rassegesetze, weder Kristallnacht noch Auschwitz, die Stauffenberg zum „Deutschen Widerstand“ ermunterten. Zu zahlreich, begeistert und entschlossen folgte das deutsche Volk seinem Messias. Zu siegestrunken machten die Blitzkriege. Die damit verbundenen Entgleisungen nahm man zwar früh wahr, aber was wogen sie schon gegen die „Erfolge“? Die gaben Hitler Recht. Das sah der Patriot Stauffenberg auch so. Zum Putsch konnte sich Stauffenberg – seit dem 1. Juli 1940 mit regelmäßigem Zugang zu Hitler – folglich auch erst entschließen, als die militärische Niederlage unabwendbar war. Der Misserfolg gab Hitler nun Unrecht. Strittig war unter den Umstürzlern freilich, was an Stelle des Hitlerschen Regimes treten sollte. Eine parlamentarische Demokratie lehnten er und seine überwiegend konservativen aus dem Adel und Militär stammenden Mitverschwörer ab. Die Nazi-Propaganda tat sich da leichter und prangerte die Konspiration als feigen Landesverrat an, der dem Deutschen Reich in Zeiten höchster Not in den Rücken gefallen sei. Die Kontroversen um Stauffenberg und den 20. Juli blieben bis heute erhalten, wenngleich der Vorwurf des „Landesverrates“ aus den öffentlichen Debatten freilich verschwand und durch die Kritik eines zu späten und nicht unbedingt selbstlosen Handelns ersetzt wurde. Aber nicht nur Lob lässt sich aus zeitlicher Distanz leichter formulieren. Es dauerte seine Zeit, bis man Stauffenberg angemessen würdigte. Das Widerstandsrecht, welches moralisches, juristisches Argument dafür wäre, wurde freilich auch erst 1968 in das deutsche Grundgesetz aufgenommen. International wurde der 20. Juli hingegen kaum beachtet. Churchill hatte die Nachricht vom Attentatsversuch noch so kommentiert, dass sich die Nazis nun gegenseitig umbrächten, ihre Tage aber so oder so gezählt seien. Bis heute betrachtet man das Datum ganz im Gegensatz zur bundesdeutschen Wirklichkeit weiterhin als zu vernachlässigendes Randgeschehen. Nun zum runden Geburtstag Stauffenbergs könnte dieses „Desinteresse“ gerade auch international durchbrochen werden und dem Hitler-Attentäter die weltweite Aufmerksamkeit zuteil werden, die ihm nach Meinung vieler längst zustünde, nimmt sich doch nun Hollywood des Themas an. Wie so oft aber, wenn es die dunklen Jahren der deutschen Geschichte betrifft, geht dies nicht ohne bittere, mitunter skurrile Auseinandersetzungen von statten. Und so sind es gerade auch jene, denen am Vermächtnis Stauffenbergs besonders gelegen ist, die sich gegen diese Art der Würdigung heftig zur Wehr setzen.

  

Kontroversen über Filme, deren Dreharbeiten noch nicht einmal begonnen haben sind eher selten. Das Projekt „Valkyrie“, dass unter der Regie von Bryan Singer die Geschichte des versuchten Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 thematisiert, ist eine solche Ausnahme, zumindest in Deutschland, wo der Film größtenteils entstehen soll. Der Streit, der inzwischen alle Feuilletons beschäftigt, wurde u.a. von Berthold Schenk Graf von Stauffenberg losgetreten, der sich dagegen „ganz entschieden dagegen“ verwahrt, dass sein Vater vom international ungleich bekannteren US-Superstar Tom Cruise gespielt werden soll. Cruise nämlich bekennt sich zur Scientology Kirche, einer in Deutschland zwar nicht verbotenen, jedoch mitunter vom Verfassungsschutz überwachten und noch immer nicht als Religion anerkannten Organisation. Das Bundesfinanzministerium als Hausherr verweigerte für den Originalschauplatz Bendlerblock die Drehgenehmigung. Wo heute der Sitz des Verteidigungsministeriums ist, wurden Stauffenberg und andere nach dem Scheitern des Anschlags hingerichtet. Zur Begründung hieß es in einer offiziellen Stellungnahme, Dreharbeiten dort verletzen die Würde des Ortes. Merkwürdig jedoch ist, dass United Artists bislang gar keine Anträge für eine Drehgenehmigungen gestellt hat. Der Vorstoß der Bundessministerien kommt daher einigermaßen überraschend. Als vor vier Jahren Jo Baiers Fernsehfilm die Stauffenberg-Geschichte verfilmte, gab es diese Bedenken freilich nicht. Die Hauptrolle spielte damals Sebastian Koch, der just am selben Tag geboren wurde, als Adolf Eichmann hingerichtet wurde und somit einen Monat älter als Cruise ist. Vor Stauffenberg hatte Koch bereits Hitlers Architekten Albert Speer und den RAF-Terroristen Andreas Bader verkörpert. Irgendwo dazwischen musste dann wohl auch die Figur Stauffenberg hineingepasst haben, jedenfalls hielt es niemand für unpassend, dass er den Hitler-Attentäter mimte. Aktuell ist Koch in der Verfilmung des Kinderbuchs „Rennschwein Rudi Rüssel rennt wiederzu sehen, beworben als „vergnüglicher Kinospaß für die ganze Familie”. Das wird „Valkyrie“ wohl eher nicht werden.

  Anders als Koch hat Tom Cruise mit der Verkörperung historischer Charaktere praktisch keine Erfahrung, dafür erlangte er Weltruhm durch fiktive Figuren in Filmen wie „Top Gun“, „Rainman“, „Mission Impossible“ oder „Minority Report“, die zu internationalen Kassenschlagern wurden. Cruise selbst ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, wollte in früher Jugend katholischer Priester werden und besuchte sogar ein Jahr lang ein entsprechendes Seminar des Franziskanerordens. Dann jedoch wandte er sich dem Ringen zu, ehe er nach einer Knieverletzung den Sport aufgab und sich der Schauspielerei widmete. Zwar zählt er längst zu den bestbezahlten Akteuren des internationalen Filmgeschäfts, aber trotz dreier Nominierungen hatte es für ihn noch nicht zum begehrten „Oscar“ gereicht. Und so sind es nicht zuletzt auch eher private Belange, wie seine Ehen (mit Nicole Kidman und Katie Holmes), die ihn regelmäßig in die Schlagzeilen bringen, die den Gerüchten über seine angebliche Homosexualität keinen Abbruch tun konnten (oder diese erst erzeugten?). Ein wenig fühlt man sich an seinen Freund David Beckham erinnert, von nicht wenigen Sportjournalisten als überbewerteten Fußballer eingestuft, der aber nicht zuletzt durch seine Ehe mit einem „Spice Girl“ zum Liebling der Boulevard-Presse mutierte. Andere Kommentatoren ziehen Vergleiche zu den Diskussionen um Steven Spielberg, dem man als Regisseur von Filmen wie „Weißer Hai“, „E.T.“ oder „Jurassic Park“ anfangs kaum zutraute, einen Stoff wie „Schindlers Liste“ zu meistern. Inwieweit solche Gegenüberstellungen und Kritiken angemessen sind, ist jedoch eine Geschmacksfrage, da es ja nun auch nicht Tom Cruise ist der Regie führt, sondern Bryan Singer, kein Scientologe, sondern wie Spielberg Jude, der zuvor gleichfalls mit Action-Filmen wie „X-Men“ oder „Supermans Return“ Erfolge feierte.   

Cruise ist allerdings kein Antisemit und er leistete auch keinen Eid auf Hitler, jedoch bekennt er sich zur Scientology-Kirche, jener umstrittenen und bizarren Mischung aus Neurolinguistischem Programmieren (NLP), Science Fiktion und Mission Impossible, die nach eigenen Angaben etwa zehn Millionen Mitglieder hat (oder sollte man besser „Kunden“ sagen?). In vielen Ländern der Welt ist die Kirche zwar umstritten, aber auch anerkannt. In Deutschland betrachtet man sie als „Gefahr für Demokratie, Verfassung und Menschenrechte“ und sie wird deshalb seit über zehn Jahren von Verfassungsschützern beobachtet – sogar das Bayerische Innenministerium widmete ihnen eine eigene Broschüre – ohne dass freilich nennenswerte Erkenntnisse veröffentlicht wurden. Das aber soll die für ihre Geheimniskrämerei bekannte Scientology selbst ja ebenso handhaben. Oft angeführt wird die Behauptung die SO verfolge mittels manipulativer Psychopraktiken totalitäre, auf die Weltherrschaft ausgerichtete Ziele. Das gibt zu denken. Man fragt sich allerdings, wie das im Detail eigentlich funktionieren soll, ob es tatsächlich stattfindet und was dies mit Filmen zu tun haben könnte. Welcher Trick, auf den ich nicht komme, bringt die Scientology-Kirche mit Cruise als Stauffenberg der Weltherrschaft näher? Spielt Cruise die Rolle so gut, dass man seine Sekte als Widerstandsbewegung gegen das Nazi-Regime feiern wird? Oder befürchtet man etwa, der Scientologe wird die Stauffenberg-Rolle so boshaft interpretieren, dass ein weltweites Publikum Mitleid mit Hitler bekommt?

  

Peter Steinbach, Leiter der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ in Berlin spricht im ZDF-Kulturmagazin „aspekte“ gar von einer „zweiten Hinrichtung des Protagonisten Stauffenbergs“ und Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg fordert „Cruise in dieser Rolle muss verhindert werden“. Man hat den Eindruck, als ob sich der deutsche Widerstand seiner Existenz versichern will und sich nun auf Cruise fixiert – freilich, Gott sei es gedankt, nicht in Form einer Bombe – aber doch in recht verbitterten, aggressiven Worten, ganz so als wollte man weitere Belege für die Einschätzung der Scientologen nachliefern, sie würden in Deutschland „wie einst die Juden diskriminiert und verfolgt“. An Boykott-Aufrufen gegenüber der Kirche in Deutschland mangelt es nach Auffassung deren Mitglieder hingegen nicht. Während einzelne Scientologen mit der Entlassung rechnen müssen, wurde der Frankfurter Niederlassung das Bankkonto aufgekündigt. Beispielsweise mussten auch schon mal alle leitenden Angestellten der Warsteiner GmbH, Deutschlands größte Privatbrauerei, schriftlich erklären, keine Mitglieder von Scientology zu sein. Aber auch Kindergärtenplätze werden verweigert, so die Eltern als Mitglieder bekannt sind oder sich als solche herausstellen und der Bundesverband Deutscher Privatschulen e.V. (VDP) versichert auf seiner Webseite „scientology-frei“ zu sein: „VDP-Mitglieder müssen eine Selbsterklärung ausfüllen, dass sie weder in Scientology-Techniken geschult wurden noch danach arbeiten und dass sie einen Einsatz dieser Techniken im Unterricht ablehnen.“ Entsprechend einer Weisung des Arbeitsministeriums an die Bundesanstalt für Arbeit von 1994 (IIa4-43/397) zur „Unvereinbarkeit mit Scientology“ verpflichtet sich auch der Bundesverband der Personalvermittler entsprechend. Und so weiter …

  Hauptgegner der Sekte scheint aber – und dies eher abseits der breiten Mediendebatte -  vor allem die Pharmaindustrie und mit zahlreiche Ärzteverbände zu sein, seitdem die Organisation in öffentlichen Demonstrationen und Kampagnen gegen Psychopharmaka und „die Psychiatrie“, zu Felde zieht. Laut Scientology wären diese nämlich bloße „Instrumente zur Versklavung der Menschheit“. Als solches Werkzeug diene bereits „Ritalin“, ein Methylphenidat-haltiges Präparat, das häufig u.a. hyperaktiven Kindern verabreicht wird. Das Mittel ist den Scientologen – wie anderen esoterisch angehauchten Heilspredigern – so verhasst, dass sie ihm einen „nationalsozialistischen und rassistischen Hintergrund“ andichten. Den es freilich nicht gibt. In beinahe jeder TV-Show, in der Tom Cruise in den letzten Jahren auftrat, verdammte er die Psychologie zu einer „Nazi-Wissenschaft“ (die Nazis sahen sie komischerweise noch als eine „jüdische“) und blamierte sich mit der Unterstellung, der Heroin-Ersatzstoff „Methadon“ sei zu Ehren Hitlers zunächst „Adolophine“ benannt worden. Richtig ist, dass Hitler Deutschland im Rahmen seiner Kriegsplanungen von ausländischen Opiumlieferungen, die der Morphinherstellung dienten, unabhängig machen wollte. Der daraufhin von Mitarbeitern der I.G. Farben unter der  Synthesenummer „Va 10820“ entwickelte Wirkstoff erhielt 1939 jedoch den Codenamen „Amidon“. Dem hingegen war es nun aber der US-Hersteller Eli Lilly, der der Substanz 1947 in den USA die selbstredende Bezeichnung „Dolo(r)phin“ (von lateinisch dolor = Schmerz und fin = Ende) gab. Es stimmt zwar, dass die „Ersatzdroge“ Methadon keineswegs harmlos ist – nach Angaben der EU sind die meisten Drogentoten in Europa auf Methadon zurückzuführen – dennoch ist die Kolportage bestenfalls ein schlechter Scherz, den Cruise freilich ernst nimmt. In den USA, wo Antidepressiva wie „Prozac“ so gängig sind wie hierzulande „Aspirin“, kommt Kritik gegen Pharmazeutika aber nicht überall gut an, schon gar nicht, wenn sie mit Halbwahrheiten oder barem Unsinn untermauert wird. Zur Bestürzung mancher Ärzte und der Pharmaindustrie verzeichnet die Propaganda von „Superstars“ wie Cruise oder Travolta durchaus Erfolg. Auch in Deutschland wächst seit Jahren die von der Sekte geschürte „Ritalin-Angst“, insbesondere in der „alternativen Heilkunde“-Szene. Befürworter und Gegner der Scientology-Kirche werfen sich nun neben psychologischer Manipulation auch vor allem wirtschaftliche Interessen vor. Kein Wunder: Allein im Bereich der medikamentösen Behandlung von Depression schätzt man das weltweite Marktvolumen auf rund 20 Milliarden Euro, was rund fünf Prozent des Gesamtpharmamarktes entspricht. Logisch, dass hier mit auf allen Seiten mit sehr harten Bandagen gekämpft wird. Für Außenstehende ist das schwer zu durchschauen.  

Worum ging es gleich noch mal? Richtig, um einen Film. Sicher es gab in der Filmgeschichte einige krasse Fehlbesetzungen. Wer bekommt etwa nicht ein ganz anderes, als das beabsichtige, Gruselgefühl, wenn er den hölzernen Jack Palance als „Dracula“ sieht oder dessen Western-Kollegen John Wayne in seiner völlig verkorksten Rolle als Mongolen-Fürst „Dschingis Khan“? Wer hegt auch nur noch einen Funken Hoffnung für irgendeine Form von Gerechtigkeit auf dieser Welt, nachdem er Omar Sharif als „Che Guevara“ erduldet hat? Als Demokrat tut man sich zugegeben etwas schwer damit, das so offen auszusprechen, aber bei manchen Machwerken verspürt man als Cineast doch wenigstens den heimlichen Wunsch, alle an der Produktion Beteiligten umgehend mit Zensur zu belegen. Ob bei wirklich schlechten Filmen der Anteil von Scientologen überproportional hoch ist, hat aber meines Wissens noch keine Studie schlüssig belegt. Vielleicht aber wären derlei Befürchtungen berechtigt, wenn ausschließlich Angehörige dieser Glaubensrichtung Filme produzierten, wirbt die Gruppierung doch auch mit dem Slogan „Wir nutzen nur 10 % unseres Gehirns“ (was aus medizinischer Hinsicht im Koma-Bereich läge). Der einzig objektive Grund der mir einfiele, warum Cruise nicht geeignet wäre Stauffenberg zu spielen wäre ein rein körperliches Kriterium. Stauffenberg war 1.85 m groß, Cruise hingegen misst nur 1.68 m.

Man sollte aber wie auch immer die Sache gelassener sehen und einfach abwarten wie „Valkyrie“, dessen Drehbuch kein Kommentator kennt, denn nun wird. Sollte wirklich nur Murks dabei herauskommen, kann man immer noch „Vergeltung“ üben, etwa in Form einer schwülstigen Hubbard-Biographie mit Hape Kerkeling in der Hauptrolle.  

(Juli 2007, erschienen im „Eurojournal“ 3/2007

C’est le ton qui fait la musique – Sarkozys neue Akzente in den transatlantischen Beziehungen

November 2, 2007

Frankreich hat gewählt und mit dem 52jährigen Nicolas Sarkozy einen neuen Staats- und Regierungschef. Der Sohn eines ungarischen Immigranten drängte bereits im Wahlkampf die Franzosen dazu, ihre berühmte entspannte Lebensart zu berichtigen, um mit Elan mehr für Frankreichs Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu leisten.
Zwar besitzt Frankreich nach Deutschland die zweitgrößte Wirtschaftsmacht in Europa, doch gemessen am Wirtschaftswachstum fiel das Land unter den Euro-Ländern bereits auf Platz 10 zurück und weist zudem eine der höchsten Arbeitslosenraten der EU auf. Waren Politik und Wirtschaft Frankreichs in den letzten Jahren von beinahe undurchschaubaren Intrigen und Skandalen („Clearstream-Affäre“) erschüttert, so verunsicherten Unruhen unter perspektivenlosen jugendlichen Immigranten und Arbeitslosen in den Pariser Vororten und in anderen Großstädten die Gemütslage der Franzosen zusätzlich. Eine allgemeine Lethargie und Mutlosigkeit machte sich breit, die auch mit einer konzeptionell wenig überzeugenden und zudem auch glücklosen Politik auf internationalem Parkett einherging.
Während Deutschland eine immer stärkere Annäherung an Rußland betrieb und die Briten unter Tony Blair den Schulterschluß mit den USA noch mal verstärkten, dümpelte Frankreichs Rolle in der Welt vor sich hin und Präsident Jacques Chirac mußte schon Teheran mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen, um überhaupt, wenn auch nur kurzfristig und keineswegs vorteilhaft, internationale Beachtung zu finden. Naturgemäß mußte bei einer solchen Ausgangslage bei Wahlen eigentlich die Opposition profitieren, jedoch mußte sich der Kandidat Sarkozy nicht zu sehr verstellen, um sich als Alternative zu jener Regierung zu präsentieren, der er selbst als Innenminister angehörte, setzte er sich doch gegen außerordentliche Widerstände des eigenen Lagers ebenso klar wie überzeugend durch. Sarkozy gelang es mit einer von vielen Kommentatoren in ihrer Machart als „amerikanisch“ empfundenen Kampagne, eine im Lande weit verbreitete Stimmung nach Veränderungen aufzugreifen und eine selbstbewußte nationale Aufbruchstimmung zu verkörpern, die vor allem auch an das Selbstverständnis der „Grande nation“ appellierte, in Anlehnung an die USA einen „französischen Traum“ versprach und somit schließlich sogar auch bei vielen Immigranten punktete. Ein Erfolg, der sich nun auch bei den Parlamentswahlen für seine Partei wiederholte.

Die Wahl des in Frankreich mal als „neuer Napoleon“ oder auch mal als „Petit Nicolas“ karikierten Politikers könnte nun aber auch helfen, die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und den USA (aber auch zu Kanada) zu verbessern, die seit der rigorosen Ablehnung der US-geführten Invasion im März 2003 merklich abkühlten. Schon als möglicher Kandidat für das französische Präsidentenamt ließ Sarkozy keinen Zweifel an seiner Verbundenheit zu den Vereinigten Staaten und besuchte so etwa eine Gedenkveranstaltung am fünften Jahrestag der Anschläge des 11. September in New York City. Damals sagte er, daß er alles daran setzen wolle, um die Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten wieder aufzubauen, um die gemeinsamen weltweiten Herausforderungen anzunehmen.
Die zurückliegenden Trübungen der transatlantischen Beziehungen litten seiner Einschätzung nach dann auch unter zu vielen Mißverständnissen, die durch einen Mangel an Dialog und manchmal vielleicht auch durch ein Haar verursacht worden seien. Er wollte nun auch keine Schuldigen auf der einen oder anderen Seite suchen, sondern Lösungen finden. Mit solchen Worten hinterließ er bei seinen New Yorker Gastgebern, insbesondere aber auch in der politischen Szene des Landes einen nachhaltig positiven Eindruck über alle Lager hinweg, freilich nicht ohne in Frankreich Mißstimmung dafür zu ernten, auch bei Chirac, der sichtlich verstimmt darüber war, daß „sein“ Innenminister sich außenpolitisch betätigte und noch dazu im klaren Widerspruch zu seinen eigenen Positionen. Für Sarkozy jedoch überwiegen bei weitem die positiven Seiten der franko-amerikanischen Beziehungen und er beruft sich dabei ausdrücklich auf eine lange und alte Partnerschaft zwischen den beiden ältesten demokratischen Nationen, wie sie auch etwa auf der Webseite der französischen Botschaft in den USA zum Ausdruck kommt. Dort heißt es selbstsicher: „Unsere beiden Staaten sind in einer Freundschaft vereint, die weit mehr als 200 Jahre zurückreicht und die Frankreich zum ältesten Verbündeten Vereinigter Staaten macht.“ Das Bekenntnis streift die lange und wechselvolle Beziehung von den Schlachtfeldern von Yorktown bis zu denen der Normandie und stellt letztlich auch fest, daß es gewiß kein Zufall sei, daß die Universelle Erklärung der Menschenrechte vor mehr als 50 Jahren mit Eleanor Roosevelt und René Cassin, von einer US-Amerikanerin und einem Franzosen verfaßt wurde.
An diese enge, auch emotionale Verbundenheit möchte Sarkozy anknüpfen, um dem längst verhallten Versprechen seines Vorgängers Chirac vom aus dem Herbst 2001 (“Frankreich wird Schulter an Schulter mit Amerika in der ersten Frontlinie stehen, um die internationalen terroristischen Netzwerke zu bekämpfen, und für immer sein engster Verbündeter bleiben“) Gehalt und Wirkung geben.
So verwunderte es nun auch nicht, daß Sarkozy, der den Irak-Krieg freilich nach wie vor für einen Fehler hält, noch am Wahlabend gleich in seiner ersten offiziellen Dankesrede vor Parteianhängern ausdrücklich auf die USA zu sprechen kam, die „auf unsere Freundschaft zählen“ könnten: „Ich möchte klarstellen, daß die Vereinigten Staaten wissen, daß Frankreich immer auf ihrer Seite stehen, wenn sie es benötigen.“

Wer nun aber wie zahlreiche Kritiker hinter Sarkozys emotionaler Bekräftigung des franko-amerikanischen Verhältnisses eine neue Achse Bush-Sarkozy wittert, die nach dem Ausscheiden des britischen Premiers Blair noch mal zusätzlich an Bedeutung gewinnen könnte, liegt wohl falsch, denn Sarkozy läßt zum einen keinen Zweifel daran, daß es zwischen den amerikanischen und französischen Positionen und Interessen durchaus substantielle Unterschiede gibt, wie etwa in der Klimaschutzpolitik, oder aber daß er französische Agrarinteressen auf dem Weltmarkt ebenso nachdrücklich verteidigen will, wie die Bush-Administration amerikanische. Sarkozys bedachte Strategie besteht dabei jedoch darin, Gemeinsamkeiten zu betonen und Unterschiede zu diskutieren. Zum anderen weiß er natürlich, daß eine zu enge Festlegung auf die Bush-Administration weder sinnvoll noch zeitgemäß wäre, stehen doch auch in den USA Präsidentschaftswahlen ins Haus, im übrigen die ersten seit mehr als fünfzig Jahren, in denen kein aktueller Regierungschef oder Stellvertreter für das Amt kandidieren wird. Umso schwieriger ist es demnach auch einzuschätzen, wer im Januar 2009 Bushs Nachfolge im Weißen Haus antreten wird, ob nun Hillary Clinton oder John Edwards von den Demokraten oder John McCain, bzw. Rudy Giuliani von den Republikanern oder gar ein aktuell noch weniger beachteter weiterer Kandidat aus den beiden Lagern.
Jedoch kann wie auch immer kein Zweifel daran bestehen, daß Sarkozy alles daran setzen wird, das verbesserte Verhältnis zur westlichen Großmacht auch dazu zu nutzen, nicht nur um den Führungsanspruch in Europa zu untermauern, sondern auch, um das französische Gewicht auf der politischen Weltbühne wieder zu stärken. Daß er dabei auch den engeren Schulterschluss mit Großbritannien sucht und findet, kam nicht nur in Tony Blairs viel beachteten, in makellosem Französisch vorgetragenen Videogrußbotschaft zum Wahlsieg Sarkozys zum Ausdruck. Tatsächlich könnten sich die Akzente der europäischen Politik nun auch wieder mehr in die transatlantische Richtung verschieben, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren, gerade auch unter deutschem Einfluß vermehrt auf Rußland bewegten. Nicht nur deshalb überwiegt in Deutschlands Politik und Presse derzeit auch noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem neuen französischen Präsidenten, der im Wahlkampf zudem auch mit als „deutsch-feindlich“ bewerteten Auffassungen aufgefallen war. Daß das deutsche Volk mit seiner Stimme am Nazi-Wahn teilgenommen habe, sei ihm ein „Rätsel“, war da zu hören, wohingegen Frankreich wegen seiner eigenen Geschichte nicht erröten müße, habe es doch weder einen „Völkermord begangen“ noch „die Endlösung erfunden.“ Aussagen, die nicht nur vom sozialistischen Lager im französischen Wahlkampf als „Verneinung der deutsch-französischen Aussöhnung“, an der alle Präsidenten seit 50 Jahren gearbeitet hätten, bewertet wurden. Jedoch wäre übertrieben, Sarkozy auf Grund solcher Aussprüche, die im Wahlkampf letztlich auch eher für die Stärkung des heimischen Selbstbewußtseins bestimmt waren, als germanophob einzustufen. Das ist er keineswegs. So steht Sarkozy beispielsweise der Merkelschen Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft der Türkei – von den USA traditionell befürwortet – als klarer Verbündeter zur Seite. Eine pragmatische Form der Beziehung, die sich jüngst auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm bewährte, als Sarkozy gemeinsam mit Blair Merkels Position stützend, auch Bushs Haltung einbezog und sagte, er wolle „lieber mit den Fingern auf China als auf die USA zeigen“ und damit das Eis brach und so einen Kompromiß zwischen zuvor unversöhnlich gegenüberstehenden Positionen ermöglichte.
Die Karten der Weltpolitik werden neu gemischt und Sarkozy will dabei nicht nur Akzente setzen, die Frankreichs Position stärken, sondern in der Übergangszeit zu den Wahlen in den USA, Rußland, Großbritannien und Deutschland in den nächsten beiden Jahren in die tonangebende Rolle des Dirigenten finden.

(Yehuda, July 2007,  erschienen im „Eurojournal“ 2/2007